8 Irrtümer über Adderall und Stimulanzien bei ADHS

8 Irrtümer über Adderall und Stimulanzien bei ADHS

Die optimale Dosierung hängt vom Gewicht ab. Die Anwendung der Stimulanzien am Nachmittag stört den Schlaf. Adderall verursacht hohen Blutdruck. Diese und andere Irrtümer über ADHS Medikamente, die Ihren Behandlungsplan beeinträchtigen können, betrachten wir in diesem Beitrag.

Die Dosierung von Adderall – und damit die Dosierung aller ADHS-Medikamente – ist undurchsichtig und variabel. Gibt es eine optimale Adderall Dosierung für Erwachsene? Sollte man die Dosierung des Stimulans mit der Zeit ändern? Was sind die Anzeichen dafür, dass das Arzneimittel nicht wirkt? Bei so vielen Fragen und Missverständnissen ist es für Patientinnen und Patienten wichtig, sich über die Dosierung von Adderall und anderen ADHS-Medikamenten zu informieren, bevor sie diese zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS oder ADS) einsetzen. Spezielle ADHS Apps können helfen, mit diesem Problem zurecht kommen. Im zuvor veröffentlichten Beitrag haben wir Top 7 Apps für ADHS-Betroffene aufgelistet.

Irrtum 1. Erwachsene ADHS-Patienten kommen am besten mit Adderall zurecht

Adderall ist eines der am häufigsten verschriebenen ADHS-Medikamente. Außerdem ist es ein Stimulans, das als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der ADHS gilt. Diese Faktoren bedeuten jedoch nicht, dass Ärzte dieses Medikament oder andere Stimulanzien bevorzugen dürfen. Diejenigen, die dies tun, haben keine empirische Grundlage dafür und setzen Ihre Erfolgschancen aufs Spiel.

Einfach ausgedrückt: Es gibt keine Möglichkeit vorherzusagen, wie ein Patient auf Adderall oder ein anderes Stimulans, sei es Methylphenidat oder Amphetamin, reagieren wird, bevor er es nicht ausprobiert hat.

ADHS-Experten schlagen vor, beide Klassen von Stimulanzien (Methylphenidat und Amphetamin) auszuprobieren, bevor man entscheidet, dass Stimulanzien bei einem nicht wirken, und zu einem Medikament ohne Stimulanzien oder einer anderen ADHS-Behandlung übergeht. Es lohnt sich, sogar mehrere Medikamente innerhalb derselben Klasse ausprobieren, bevor Sie zu einer anderen Stimulanzienklasse wechseln. So sind beispielsweise Ritalin Tabletten und Concerta beides lang wirkende Methylphenidate. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkmechanismen bringen sie jedoch unterschiedliche Ergebnisse und potenzielle Nebenwirkungen mit sich.

Irrtum 2. Durchschnittliche Dosis für Erwachsene mit ADHS

Genauso wenig wie eine Fachkraft vorhersagen kann, welches Medikament am besten wirkt, kann sie auch keine optimale Dosierung vorhersagen. Es gibt keine durchschnittliche oder optimale Dosierung von Adderall oder irgendeinem anderen ADHS-Medikament.

Die ideale Dosierung von Adderall oder anderen ADHS-Medikamenten wird mit Hilfe einer Methode ermittelt, die als Titration bezeichnet wird: Die Dosierung wird im Laufe der Zeit vorsichtig erhöht, bis ein spürbarer Nutzen erzielt wird und die Nebenwirkungen auf ein Minimum verringert werden. Der Ansatz sollte immer lauten: „Niedrig anfangen, langsam titrieren“. Generell sollten Stimulanzien in der Dosis verabreicht werden, die für den einzelnen Patienten am niedrigsten (um Nebenwirkungen zu kontrollieren und eine Überdosierung zu vermeiden) und am wirksamsten ist, und sie sollten auch an die sich ändernden Bedürfnisse angepasst werden.

Man kann in verschiedenen Darreichungsformen und Dosierungen Adderall kaufen. Tabletten mit sofortiger Wirkstofffreisetzung können je nach Bedarf des Patienten mehrmals am Tag oder während bestimmter Aktivitäten eingenommen werden. Adderall XR ist ein einmal täglich einzunehmendes Stimulans mit zeitlicher Freigabe. Wie ein Patient auf die verschriebene Dosis anspricht, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem:

  1. Ihre Vorgeschichte bei der Einnahme von stimulierenden Medikamenten. Personen, die in der Vergangenheit Stimulanzien eingenommen haben, reagieren möglicherweise weniger empfindlich als Personen, die das nicht getan haben.
  2. Genetische Unterschiede – manche Menschen verstoffwechseln das Medikament schneller als andere.
  3. Bestehende Erkrankungen – z. B. Angstzustände oder Stimmungsstörungen – und deren aktuelle Behandlung.

Irrtum 3. Bestimmung der Dosierung anhand der Größe und des Körpergewichts

Die Dosierung von ADHS-Medikamenten hängt nicht von der Größe oder dem Gewicht eines Erwachsenen ab. Die Dosierung von Adderall eines anderen Erwachsenen Ihres Alters, Gewichts und/oder Ihrer Größe ist irrelevant. Ärzte beginnen jedoch bei Erwachsenen in der Regel mit einer niedrigen Dosis (in der Regel 5 mg) und passen diese dann nach Bedarf an.

Irrtum 4. Adderall ist bei Bluthochdruck nicht geeignet

Adderall wird mit erhöhtem Blutdruck und erhöhter Herzfrequenz in Verbindung gebracht, daher sollten sich Erwachsene mit ADHS vor der Einnahme von Adderall oder anderen Medikamenten einer gründlichen Untersuchung unterziehen, die auch ein Screening auf Herzprobleme umfasst.

Bluthochdruck allein schließt einen Patienten nicht von der Einnahme von ADHS-Medikamenten aus. Man muss zuerst den Bluthochdruck behandeln. Und tatsächlich gibt es Medikamente gegen ADHS, die den Blutdruck senken. Dazu gehören Guanfacin und sein länger wirkendes Markenpräparat Intuniv, das sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck senken kann. Diese Medikamente werden häufig als Alternative zu Stimulanzien oder in Verbindung mit diesen eingesetzt.

Irrtum 5. Konsum von Koffein ist erlaubt

Viele Erwachsene mit ADHS sind stark auf Kaffee oder koffeinhaltige Getränke angewiesen. Koffein kann jedoch die Wirkung von Adderall und anderen stimulierenden Medikamenten verstärken und zu Angstzuständen und Herzklopfen führen. Manche Menschen können Stimulanzien vertragen und trotzdem etwas Koffein zu sich nehmen. Bei einigen verursacht oder verschlimmert Koffein die Nebenwirkungen, so dass es unmöglich ist, das Stimulans auf therapeutische Dosen zu erhöhen.

Möglicherweise können Sie nicht feststellen, was diese Nebenwirkungen verursacht – das Stimulans oder Koffein –, es sei denn, Sie entwöhnen sich allmählich vom Koffein, bevor Sie mit den Stimulanzien beginnen. (Versuchen Sie jedoch, sich die Gewohnheit vorher abzugewöhnen, um zu vermeiden, dass Sie Kopfschmerzen aufgrund von Koffeinentzug mit einer Nebenwirkung des Medikaments verwechseln).

Irrtum 6. Sofortige Verbesserung der ADHS-Symptome

Die potenziellen positiven Auswirkungen von Adderall, anderen Stimulanzien oder einer medizinischen Behandlung von ADHS sollten nicht überbewertet werden. Das Wissen, dass Stimulanzien die erste Wahl bei der psychopharmakologischen Behandlung von ADHS sind, bedeutet nicht, dass wir vorhersagen können, wie sich ein Medikament oder eine Dosierung auf eine bestimmte Person auswirken wird. Es stimmt, dass sich einige Symptome innerhalb von Tagen oder sogar Stunden dramatisch verbessern können. Es ist jedoch wichtig, die volle Wirkung des Medikaments abzuwarten, da es einige Zeit dauern kann.

Die Beurteilung der Wirksamkeit eines Medikaments erfordert mehr als die Frage eines Arztes: "Wie geht es Ihnen?" Es sind mindestens zwei Schritte erforderlich:

  1. Eine sorgfältige Ermittlung der Probleme, mit denen Sie konfrontiert sind (indem Sie sie einzeln aufschreiben), bevor Sie mit der Medikation beginnen.
  2. Regelmäßige Überprüfung der einzelnen Probleme im Verlauf der Behandlung, um festzustellen, ob eine Verbesserung (oder nicht), eine Verschlechterung der Symptome oder neue Nebenwirkungen eingetreten sind.

Während dieser Titrationsphase empfehlen Experten, wöchentlich mit Ihrem Arzt zu sprechen und ein ADHS-Medikamentenprotokoll wie dieses zu führen. Arztbesuche sollten alle 3 bis 4 Wochen stattfinden, um die Nebenwirkungen, die körperliche Gesundheit, das Wohlbefinden des Patienten und der Familie sowie gegebenenfalls andere Therapien zu überprüfen.

Viele Experten und Patienten berichten, dass zu wenige Ärzte die bei Erwachsenen eingesetzten Medikamente genau überwachen. Es ist äußerst wichtig, dies zu tun, aber es ist schockierend, wie wenig Ärzte dies tun. Ohne Beobachtung kann man keine kleinen Verbesserungen oder Nebenwirkungen feststellen.

Wenn Sie in Ihrem Leben mit herausfordernden Situationen konfrontiert werden, können Sie feststellen, wie sich Ihre Reaktionen von denen in der Vergangenheit unterscheiden. Es kann auch einige Zeit dauern, bis man die Unterschiede in der Art und Weise bemerkt, wie andere Menschen auf einen reagieren, oder um zu beurteilen, wie effizient oder wie viel besser man in seinem Job geworden ist.

Es werden folgende Richtlinien angeboten:

  • Die Symptome bessern sich in der Regel innerhalb weniger Stunden nach der Einnahme von Stimulanzien, aber es kann einige Tage dauern, bis die volle Wirkung eintritt.
  • Bei Nicht-Stimulanzien dauert es etwa fünf Tage, bis die Wirkung nach einer Dosisänderung einsetzt, und bei Medikamenten wie Atomoxetin dauert es oft 6 bis 8 Wochen, bis die volle Wirkung eintritt.
  • Die Funktionsfähigkeit verbessert sich innerhalb von Monaten.
  • Entwicklungsbedingte Veränderungen vollziehen sich über Jahre hinweg. So kann beispielsweise eine Person, die nie einen Freund hatte, jetzt Freunde finden und behalten. Ein Erwachsener, der seinen Arbeitsplatz nicht halten konnte, kann ihn jetzt ein Jahr lang behalten.

Irrtum 7. Wenn das Stimulans Ihren Schlaf stört, müssen wir Sie auf ein Nicht-Stimulans umstellen

Die Ursachen von Schlafproblemen bei Erwachsenen mit ADHS sind vielschichtig und werden vom behandelnden Arzt möglicherweise nicht vollständig verstanden. Die Forschung des von der ADHS betroffenen Gehirns deutet zunehmend auf neurophysiologische Unterschiede im zirkadianen Rhythmus hin, der inneren biologischen Uhr, die uns sagt, wann wir schlafen gehen müssen. Aber es gibt noch weitere ADHS-bedingte Schlafhindernisse, wie z. B. die Unfähigkeit, ein vielbeschäftigtes Gehirn "auszubremsen".

Bei der Bewertung der nachteiligen Auswirkungen der ADHS-Medikamente auf den Schlaf ist es wichtig, auf das Timing zu achten. Möglicherweise werden die Schlafprobleme durch das Abklingen der Wirkung des Medikaments verursacht. In diesem Fall sollten Sie versuchen, das Medikament früher am Tag einzunehmen oder ein Mittagsschläfchen zu halten, während die volle Dosis noch wirkt. Ein risikoloses Probeschlafen kann dazu beitragen, nachzuweisen, dass nicht das Medikament die Schlafstörung verursacht, sondern die ADHS selbst und der Mangel an Medikamenten in der Rebound-Phase. Manche Menschen mit ADHS schlafen besser, wenn sie ein Stimulans einnehmen. Solche Medikamente unterdrücken das „Gehirnrauschen“ und erhöhen die Konzentration auf das Einschlafen und Durchschlafen.

Irrtum 8. Etwas anderes ausprobieren, wenn Adderall oder ein anderes Stimulans nicht wirkt

Bevor Sie Adderall oder ein anderes ADHS-Stimulans ausschließen, sollten Sie bedenken, dass die Wirkung des Medikaments aus verschiedenen neurobiologischen Gründen aufgehört haben könnte. Treten Sie dann einen Schritt zurück und versuchen Sie sich daran zu erinnern, wie Ihr Leben war, bevor Sie mit der Einnahme des Stimulans begonnen haben. War es besser? Schlimmer?

Erwachsene, bei denen später im Leben eine ADHS diagnostiziert wird, entwickeln in der Regel die Angewohnheit, nur dem Aufregenden oder Neuen Aufmerksamkeit zu schenken. Nach ein paar Wochen, in denen sich die Symptome verbessert haben, vergisst man leicht, wie weit man schon gekommen ist. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass Sie Ihre Ausgangssymptome und Ihre Fortschritte schriftlich festhalten sollten. Nur so können Sie feststellen, ob das Medikament seine Wirkung entfaltet.

Quellen

  1. Gina Pera. 8 ADHD Medication Fallacies That Persist: Optimal Adderall Dosage, Risks and Interactions, Side Effects & More. Updated on March 19, 2021.
  2. Federal Drug Administration. Adderall Medication Guide.

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Zuletzt aktualisiert am 17.03.2022